04.10.2019

Photovoltaik und Elektrosmog ?

Artikel in der Zeitschrift Wohnung und Gesundheit des IBN

Nr. 163 | Wohnung + Gesundheit 06.17 | 25


Wie bei jedem elektrischen Gerät entstehen auch bei Photovoltaikanlagen elektrische und magnetische Felder. Bei richtiger Ausführung ist die Elektrosmog-Belastung aber gering.


Elektrische Gleichfelder:
Da die Solarmodule Gleichstrom erzeugen, entsteht bei Lichteinfall zwischen der Plus- und der Minus-Leitung des Solargenerators ein elektrisches Gleichfeld.
Diese beiden Leitungen sollten (auch aus Blitzschutzgründen) relativ
nahe beieinander verlegt werden. Durch diese räumliche Nähe ist das
elektrische Gleichfeld nur sehr nahe an den Solarmodulen und den Gleichstromleitungen messbar. Elektrische Gleichfelder gelten zudem erst ab einer hohen Spannung als gesundheitlich bedenklich. Entsprechend dem Standard der Baubiologischen Messtechnik (SBM) gilt ein elektrisches Gleichfeld bis 500 V/m als schwache Anomalie.
Magnetische Gleichfelder:
Das magnetische Gleichfeld schwankt bei einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) mit der Sonneneinstrahlung. Als Installationsempfehlung
gilt sinngemäß das Gleiche wie bei den elektrischen Feldern. Entsprechend dem SBM gilt ein magnetisches Gleichfeld bis 2 μT als schwache Anomalie. Die magnetischen Gleichfelder einer PV-Anlage sind daher in der Praxis normalerweise
kein Problem.
Elektrische Wechselfelder
In einer PV-Anlage sind elektrische Wechselfelder v. a. an der Wechselspannungsleitung vom Zähler zum Wechselrichter und am Wechselrichter selbst vorhanden. Wechselfelder gelten
für den Organismus als wesentlich schädlicher als Gleichfelder. Der SBM-Richtwert für Schlafbereiche beträgt für erdbezogene elektrische Wechselfelder daher nur 5 V/m. Obwohl in den Leitungen zu den Solarmodulen normalerweise nur Gleichstrom fließt, sind an diesen Leitungen häufig elektrische Wechselfelder messbar. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Sind die Gleichstromleitungen in der Nähe von Wechselspannungsleitungen verlegt, koppeln sie in das vorhandene elektrische Wechselfeld der Wechselspannungsleitungen ein. Das elektrische Wechselfeld z. B. einer Leitung zu einer Steckdose oder zum Dachbodenlicht, kann dadurch noch an den Solarmodulen gemessen werden – und dies Tag und Nacht!
2. Einige trafolose Wechselrichter trennen nicht sauber zwischen der Wechselspannungs- und der Gleichstromseite. Die Folge ist ein elektrisches Wechselfeld auf den Solarmodulen und den Stringleitungen zwischen den Modulen und dem Wechselrichter. Die Rahmen von Modulen in Anlagen mit trafolosen Wechselrichtern müssen (nach VDE) daher geerdet werden. Zur Elektrosmog- Reduzierung ist die Erdung jedoch nicht ausreichend. Ein Problem können auch die von den Wechselrichtern erzeugten Rückwirkungen
in das Stromnetz darstellen. Durch das Zerhacken des Gleichstroms und Umformung in einen Wechselstrom entstehen hochfrequente Oberwellen (Störspannungen). Wechselrichter mit einem Hochfrequenztrafo haben zwar geringere magnetische Wechselfelder, dafür aber eben hochfrequente Felder. Elektrische Felder – auch hochfrequente – lassen sich jedoch relativ leicht abschirmen.
Magnetische Wechselfelder:
Magnetische Wechselfelder gelten als biologisch noch bedenklicher als die elektrischen Wechselfelder. Der SBM Richtwert beträgt daher nur 0,1 μT als schwache Anomalie. V. a. die Wechselrichter erzeugen erhebliche magnetische Wechselfelder – allerdings nur während des Tages. Die Stärke der magnetischen Wechselfelder ist abhängig von der jeweiligen Sonneneinstrahlung. Wechselrichter sollten daher in einem größeren Abstand zu tagsüber benutzten Schlaf- und Ruhe- oder auch Arbeitsbereichen montiert werden.

Zur Reduzierung der schädlichen Einflüsse einer PV-Anlage gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Hierzu zählt z. B. die Auswahl der verwendeten Wechselrichter und sonstigen Materialien. Den größten Einfluss hat jedoch die richtige elektrosmogreduzierte Verlegung aller Verbindungsleitungen, die Erdung und der Montageort des Wechselrichters.
Sollten bei einer baubiologischen Messung erhöhte Störspannungen auf der Wechselspannungsseite festgestellt werden, muss unter Umständen ein Netzfilter eingebaut werden.

Zusammenfassung:
Die zusätzliche Elektrosmog-Belastung durch eine PV-Anlage ist bei richtiger Ausführung(!) gering im Gegensatz zu dem, was sich viele Mitmenschen ansonsten zumuten. Z. B. ist das magnetische Wechselfeld eines kleinen Radios neben dem Bett(!) häufig höher, als die an einer PV-Anlage gemessenen Werte.
Folgende Maßnahmen sind immer zu empfehlen: Eine Messung der tatsächlichen Felder vor und nach der Installation einer PV-Anlage. Möglichst viel Abstand zu tagsüber genutzten Räumen, Erdung der Module, geringe Leiterschleifen, abgeschirmte geerdete Stringleitungen, Verwendung eines
Wechselrichters, bei dem ein Pol der Solarleitungen geerdet werden kann oder konstruktionsbedingt geerdet ist.

Werner Bopp
Elektromeister
Arbeitskreis Baubiologie Mainfranken
Bad Mergentheim
baubiologie-mainfranken.de


LITERATUR:
Angaben zur abgeschirmten PV-Anlage des Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN finden Sie hier:
„Elektroinstallation ...“ W+G Nr. 155
PDF-Download „Neues Gebäude für das IBN“
Erhältlich in unserem Online-Shop: baubiologie-shop.de
WWW.BAUBIOLOGIE.DE IBN – INSTITUT FÜR BAUBIOLOGIE + NACHHALTIGKEIT, D-83022 ROSENHEIM ARTIKEL AUS „WOHNUNG + GESUNDHEIT“ NR. 163