Elektrosmog reduzierte Photovoltaikanlagen

Verursachen Photovoltaikanlagen Elektrosmog?

Üttingen, Unterfranken  
Baubiologen aus den Regionen Unterfranken, Spessart, Odenwald und Hohenlohe trafen sich zu einer Weiterbildung im Gasthaus Holzmühle bei Uittingen. Eingeladen wurde vom Arbeitskreis Baubiologie Mainfranken.
Neben einigen Regularien und allgemeinen Fragestellungen, war ein Hauptthema des Abends die Frage, welche gesundheitsschädliche Einflüsse durch eine Photovoltaikanlage entstehen können. Das Arbeitskreismitglied Werner Bopp hatte hierzu einen Vortrag vorbereitet, dem eine rege Diskussion folgte.

Kurzfassung des Vortrags:

Grundsätzlich muss die Frage nach Elektrosmog bei Photovoltaikanlagen zunächst mit Ja beantwortet werden. Wie bei jeder Elektroinstallation und jedem elektrischen Gerät entstehen elektrische und magnetische Felder.

Elektrische Gleichfelder:
Da die Solarmodule Gleichstrom erzeugen, besteht bei Lichteinfall zwischen der + und der - Leitung des Solargenerators ein elektrisches Gleichfeld.  Diese beiden Leitungen sollten (auch aus Blitzschutzgründen) relativ nahe beieinander verlegt werden. Durch diese räumliche Nähe ist das elektrische Gleichfeld nur sehr nahe an den Solarmodulen und den Gleichstromleitungen messbar. Elektrische Gleichfelder sind zudem elektrobiologisch erst ab einer sehr hohen Spannung bedenklich. Nach dem baubiologischen Standard gilt ein elektrisches Gleichfeld bis 500V/m als schwache Anomalie.

Magnetische Gleichfelder:
Das magnetische Gleichfeld schwankt bei einer Photovoltaikanlage mit der Sonneneinstrahlung. Als Installationsempfehlung gilt sinngemäß das Gleiche wie bei den elektrischen Feldern. Nach dem baubiologischen Standard gilt ein magnetisches Gleichfeld bis 2 µT als schwache Anomalie. Problematisch sind magnetische Gleichfelder vor allem dann, wenn sie Eisenteile in der Nähe eines Schlafplatzes oder gar im Bett magnetisieren - dazu müssten die Gleichstromleitungen aber sehr nahe an den Betten vorbeiführen. Die magnetischen Gleichfelder einer Photovoltaikanlage sind daher in der baubiologischen Praxis normalerweise kein Problem.

Elektrische Wechselfelder:
In einer Solarstromanlage sind elektrische Wechselfelder vor allem an der  Wechselspannungsleitung vom Zähler zum Wechselrichter und am Wechselrichter selbst  vorhanden. Wechselfelder sind für den Organismus wesentlich schädlicher als Gleichfelder. Der baubiologische Richtwert für Schlafbereiche beträgt für erdbezogene elektrische Wechselfelder daher nur 5 V/m. Obwohl in den Leitungen zu den Solarmodulen normalerweise nur Gleichstrom fließt, sind an diesen Leitungen häufig elektrische Wechselfelder messbar. Dieses Phänomen kann auf folgende Umstände zurückgeführt werden:
1. Einige trafolose Wechselrichter trennen nicht sauber zwischen der Wechselspannungs- und der Gleichstromseite. Die Folge ist ein elektrisches Wechselfeld auf den Solarmodulen und den Stringleitungen zwischen den Modulen und dem Wechselrichter. Die Rahmen von Modulen in Anlagen mit trafolosen Wechselrichtern müssen (nach VDE) daher geerdet werden. Zur Elektrosmogreduzierung ist die Erdung jedoch nicht ausreichend.
2. Sind die Gleichstromleitungen in der Nähe von Wechselspannungsleitungen verlegt, koppeln sie in das vorhandene elektrische Wechselfeld der Wechselspannungsleitungen ein. Das elektrische Wechselfeld z.B. einer Leitung zu einer Steckdose oder zum Dachbodenlicht, kann dadurch noch an den Solarmodulen gemessen werden - und dies Tag und Nacht!


Ein Problem können auch die von den Wechselrichtern erzeugten Rückwirkungen in das Stromnetz darstellen. Durch das Zerhacken des Gleichstroms und Umformung in einen Wechselstrom entstehen hochfrequente Oberwellen (Störspannungen). Wechselrichter mit einem Hochfrequenztrafo haben zwar geringere magnetische Wechselfelder, dafür aber eben die hochfrequenten Felder. Elektrische Felder - auch hochfrequente - lassen sich jedoch relativ leicht abschirmen.

Magnetische Wechselfelder:
Magnetische Wechselfelder sind biologisch noch gefährlicher als die elektrischen Wechselfelder. Der baubiologische Richtwert beträgt daher nur 0,1µT als schwache Anomalie. Vor allem die Wechselrichter erzeugen erhebliche magnetische Wechselfelder - allerdings nur bei Tage. Die Stärke der magnetischen Wechselfelder ist abhängig von der jeweiligen Sonneneinstrahlung. Wechselrichter sollten daher in einem größeren Abstand zu tagsüber benutzten Schlaf- und Ruhebereichen montiert werden.
Abhilfe:  Zur Reduzierung der schädlichen Einflüsse einer Photovoltaikanlage gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Hierzu zählt zum Beispiel die Auswahl der verwendeten Wechselrichter und sonstigen Materialien. Den größten Einfluss hat jedoch die richtige elektrosmogreduzierte Verlegung aller Verbindungsleitungen, die Erdung und der Montageort des Wechselrichters. Sollten bei einer baubiologischen Messung erhöhte Störspannungen auf der Wechselspannungsseite festgestellt werden, muss unter Umständen ein Netzfilter eingebaut werden.

Zusammenfassung:
Die zusätzliche Elektrosmog-Belastung durch eine Photovoltaikanlage ist  
- bei richtiger Ausführung!   gering im Gegensatz zu dem, was sich viele Mitmenschen ansonsten zumuten. Beispielsweise ist das magnetische Wechselfeld einer trafobetriebenen Halogenleuchte oder eines kleinen Radios neben dem Bett! häufig höher als die an einer Photovoltaikanlage gemessenen Werte. Eine Messung der tatsächlichen Felder nach der Installation einer Solarstromanlage auf einem Wohnhaus ist immer zu empfehlen.

 

Aktueller Nachtrag:

Wir haben zu diesem Thema in den letzten Jahren sehr viele Anfragen erhalten - manchmal mehrere am Tag.
Dies freut uns zwar einerseits - andererseits ist das für uns auf Dauer nicht kostenlos leistbar. Eine telefonische Beratung macht auch nur eingeschränkt Sinn. Spätestens nach der Montage der Anlage sollte durch einen erfahrenen baubiologischen Messtechniker nachgemessen werden.
Wir empfehlen daher frühzeitig Kontakt zu einem baubiologischen Messtechniker in Ihrer Region bezüglich einer Beratung und Messung Kontakt aufzunehmen. Adressen unter www.baubiologie.de. Für Baubiologen IBN, baubiologische Messtechniker oder auch Kollegen aus dem Elektrohandwerk bieten wir weiterhin eine kostenlose Kurzberatung.

Für den Arbeitskreis Baubiologie Mainfranken
Werner Bopp
Boxberger Straße 16
97980 Bad Mergentheim
Tel. 07931 561705
eMail: info(at)bio-elektro.de
www.baubiologie-mainfranken.de